Lärmvermeidung?

Gedanken zum vermeidbaren Lärm eines Rotter Mitbürgers:

 

 

Das Thema "vermeidbarer Lärm" beschäftigt mich schon lange.

 

 

Da es ja die Initiative zur Dorfentwicklung in Rott gibt, und da es ja wohl auch den Vorschlag gibt, z.B auf Nebenstraßen die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu begrenzen (das hätte ja u.a. neben erhöhter Sicherheit auch Auswirkungen auf die Lärmentwicklung) möchte ich Euch Gedanken zum Thema weitergeben.

 

Wir wohnen jetzt seit gut 10 Jahren in Rott und ich empfinde inzwischen Rott als den lautesten Aufenthaltsort, den ich bisher erlebt habe (insbesondere von Frühjahr bis Herbst).

 

Jeder Lärm, der gemacht werden kann, wird auch gemacht!

 

Ich weiß natürlich, dass das Lärmempfinden subjektiv ist. Was der eine als Lärm empfindet, kann durch einen anderen geradezu als Lust empfunden werden (z.B. Auspuffgeräusche von Motorrädern). 

 

Das Bundesumweltamt hat 2012 eine Umfrage zur Beeinträchtigung durch Lärm durchgeführt.

 

"circa 42 Prozent der Befragten fühlen sich durch den Lärm von Nachbarn belästigt". Bei Verkehrslärm ist der Anteil noch viel höher (ca. 55%).

 

 

"Regelungen zum Nachbarschaftslärm sind in den Immissionsschutzgesetzen der Bundesländer, in der 32. Maschinenlärmschutzverordnung (32. BImSchV), in Verordnungen der Kommunen oder auch in Hausordnungen enthalten. Sie legen zum Beispiel fest, zu welchen Zeiten ein erhöhter Anspruch auf Ruhe besteht."

 

Für Sonn- und Feiertage gibt es ebenfalls in fast allen Bundesländern Regelung (so mancher meint allerdings, diese Regelung gilt nur für die anderen. Zwei Häuser weiter benutzt jemand diverse Elektrowerkzeuge.)

 

 

 

siehe dazu auch: http://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehrlaerm/laermwirkung/laermbelaestigung

 

 

 

Ich meine:

 

Mit einer Verordnung durch die Gemeinde könnten zwangsweise Schutzzeiten vor Nachbarschaftslärm auch zwischen 6 und 22 Uhr geschaffen werden, also auch Wochentags von 12 - 14 Uhr.

 

(Viele Beispiele dafür unter gleichzeitiger Eingabe der Stichwörter "Gemeinde" "Lärmschutz" und "Verordnung" in eine Internet-Suchmaschine.)

 

Erst dann könnte man sich in den so geschaffenen Ruhezeiten auch mal im Freien ausstrecken und über dieses Zitat von Fritz Reuter nachdenken:

 

"Wat den Eenen sin Uhl', ist den Annern sin Nachtigall."

 

 

 

Aber besser:

 

Auf freiwilliger Basis wäre es theoretisch möglich, den Lärm in unserem Dorf zu reduzieren. Jeder Einzelne müsste sich dazu fragen: "Ist das, was ich jetzt gerade tue, mit weniger Lärm möglich, evtl. sogar verzichtbar oder/und wäre ich bereit dies in einem gemeinsam vereinbarten Zeitrahmen zu tun?"

 

 

 

Konkreter zum Beispiel:

 

  • Kann ich in einer kleinen Straße beim Fahren bis zur Kreuzung aufs Gaspedal verzichten?
  • Kann ich, wenn ich vom Einkaufen nach Hause komme, meine Autotüren erst zuschlagen, wenn das Fahrzeug entladen ist?
  • Kann ich meinen Rasen mit meinem Nachbarn gleichzeitig mähen? (Terminvorschlag immer Freitags von 17 - 18 Uhr)
  • Kann ich handwerkliche Arbeiten in meine Garage oder ins Haus verlegen?
  • Kann ich mein Brennholz bereits gesägt kaufen statt es selber zu sägen?
  • Kann ich beim nächsten Kauf eines Elektrogeräts ein Gerät mit Elektromotor (statt Benzinmotor) wählen?
  • Kann ich Äste mit einer Handsäge absägen statt eine Kettensäge zu verwenden?
  • Kann ich meine Musikanlage im Auto beim Einfahren ins Dorf leise stellen?
  • Kann ich auf Rasentrimmer / Freischneider / Häcksler / Druckluftreiniger  und andere Geräte verzichten?
  • Kann ich das ...usw. usw.

 

 

Und natürlich:

 

Kann ich das Gesetz über den Schutz der Sonn- und Feiertage einhalten?

 

 

 

Der Lärmverursacher hat ja meistens persönlich einen Vorteil. Aber dieser Vorteil fördert nicht das Gemeinschaftswohl.

 

 

 

Ich hatte vor einiger Zeit Gemeinden in Deutschland gefunden, deren Bewohner auf freiwilliger Basis Lärmminderung betreiben. Leider konnte ich bisher die Quellen nicht wiederfinden. Zwar gibt es viele Gemeinden, die einen "Lärmaktionsplan" nach §47 Bundesimmissionsschutzgesetz durchführen bzw. durchgeführt haben, aber Straßenlärm macht eben nur einen Teil der Lärmbelästigung aus und führt weniger zu emotionalen Belastungen als Nachbarschaftslärm.

 

http://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/umgebungslaermrichtlinie

 

 

 

Gab es beim Projekt Dorfentwicklung neben den wichtigen berücksichtigten Vorschlägen auch den Vorschlag, Lärmminderung zum Thema zu machen? In Gesprächen mit Nachbarn und Freunden habe ich festgestellt, dass es wohl kein Bedürfnis gibt, Lärmminderung anzustreben. Das wundert mich mit Bezug auf die Ergebnisse der Umfrage des Umweltbundesamts. Als Grund für dieses geäußerte Desinteresse kann ich mir nur vorstellen, dass niemand gerne zugibt, dass es ihm zu laut ist, denn es betrifft ja oft die unmittelbaren Nachbarn, mit denen man gerne in Frieden leben möchte und zudem müsste man ja Kritik auch auf sich selber anwenden und sein Verhalten entsprechend ändern.

 

 

 

Um  den Lärm zu mindern, müssten allerdings viele eifrig etwas tun, sonst wird eine Abschwächung des Lärms weder messbar noch subjektiv fühlbar sein

 

Interessant finde ich ein Projekt des Umweltbundesamt, das von einem Verein (Ökolöwe) durchgeführt wurde:

 

Lärmminderung durch Bürgerbeteiligung

 

Das Modellprojekt: Mach’s leiser – Mitwirken bei der Lärmaktionsplanung in Leipzig

 

 

http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/4455.pdf

 

oder: http://www.uba.de/uba-info-medien/4455.html

 

Die aktuelle Lärmschutzverordnung von München finden Sie hier:

http://www.muenchen.info/dir/recht/340/340_20100128.htm

 

Wir, die NeueListeRott, überlegen, ob wir diese Verordnung einfach von unserer Landeshauptstadt übernehmen sollten.....

 

 (hier der für München gültige: )

 

§ 1 Haus- und Gartenarbeiten 

 

(1) Ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten dürfen nur an Montagen mit Samstagen zwischen 8.00 Uhr und 12.00 Uhr sowie zwischen 15.00 Uhr und 18.00 Uhr ausgeführt werden, soweit in Abs. 2 nichts anderes bestimmt ist.

 

 

(2) Freischneider mit Verbrennungsmotor, Grastrimmer/Graskantenschneider mit Verbrennungsmotor, Laubbläser und Laubsammler dürfen nur an Montagen mit Samstagen zwischen 9.00 Uhr und12.00 Uhr sowie an Montagen mit Freitagen zwischen 15.00 Uhr und 17.00 Uhr betrieben werden. Lärmarme Rasenmäher, deren Schallleistungspegel weniger als 88 dB (A) oder deren Emissionswert weniger als 60 dB (A) beträgt, dürfen von Montag bis einschließlich Freitag zusätzlich zu den in Abs. 1 genannten Zeiten von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr betrieben werden.

 

 

(3) Ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten sind alle nicht gewerbsmäßig im oder am Haus sowie im Garten anfallenden lärmenden Arbeiten, insbesondere das Hämmern, das Sägen oder Hacken von Holz, die Benutzung von Bau-, Heimwerker- und Haushaltsmaschinen oder von den in Abs. 2 genannten Freischneidern, Grastrimmern/Graskantenschneidern, Laubbläsern oder Laubsammlern und Rasenmähern.

 

 

 

§ 2 Musikinstrumente, Tonwiedergabegeräte

 

(1) Bei der Benutzung von Musikinstrumenten und von Tonübertragungs- und Tonwiedergabegeräten ist die Lautstärke so zu gestalten, dass andere nicht erheblich belästigt werden.

 

 

(2) In der Zeit von 22.00 Uhr und 7.00 Uhr darf die Nachtruhe durch die Benutzung dieser Instrumente und Geräte nicht gestört werden, es sei denn, dass die Störung auch unter besonderer Berücksichtigung des Schutzes der Nachbarschaft und der Allgemeinheit vor nächtlichem Lärmobjektiv als zumutbar anzuerkennen ist.

 

 

 

 

§ 3 Zuwiderhandlungen

 

Gemäß Art. 18 Abs. 2 Nr. 3 Bayerisches Immissionsschutzgesetz kann mit Geldbußen belegt werden, wer vorsätzlich oder fahrlässig:

 

 

(1) Ruhestörende Haus- und/oder Gartenarbeiten außerhalb der in § 1 Abs. 1 und Abs. 2 festgesetzten Zeiten ausführt;

 

 

(2) Entgegen dem Verbot in § 2 bei der Benutzung von Musikinstrumenten oder Tonübertragungs-und -wiedergabegeräten andere erheblich belästigt oder die Nachtruhe stört